IMG 0720Einblick in ein interessantes Bauvorhaben der Stadt Treffurt gab es gestern anlässlich des traditionellen ersten Spatenstichs in der Ziddelstraße 17.   Planerin Angela Leinhos stellte im Anschluss das Projekt vor.  Beim Vorhaben handelt es sich um den Neubau der Ziddelstraße 17b mit sechs Wohnungen, je drei rollstuhlgerecht und  barrierefrei. Gleich nebenan in der Ziddelstraße 17a wird das bestehende denkmalgeschützte Althaus auf dem Gelände vom  ehemaligen „Schwebdaer Hof“ zu einer barrierefreien und ebenfalls rollstuhlgerechten Fahrradpension umgebaut.

Lange sei nach einer Nutzung des Areals gesucht worden. Verschiedene Ideen gab es ebenfalls. Im Gespräch mit dem St. Johannesstift im 20 Kilometer entfernten Ershausen kam ein Partner dazu, der  auch eine  umsetzbare und sinnvolle Nutzungsversion hatte: Eine Fahrradpension, die von Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam betrieben wird.

Die Zufahrt zu den beiden Gebäuden erfolgt über die Enge Gasse vorbei an öffentlichen Parkplätzen und am im Entstehen begriffenen Wohnhaus für Menschen mit Behinderung, das der Treffurter Unternehmer Günter Oßwald errichten lässt (unsere Zeitung berichtete) und das ebenfalls vom St. Johannes-stift betrieben wird.

In beiden Häusern wird es Aufzüge geben. Bemerkenswert die Finanzierung: Sie kann dank großzügiger Fördermittel von der Stadt Treffurt ohne Kredit  bewältigt  werden. Beide Häuser bleiben im Eigentum der Stadt, für das neue altersgerechte Wohnhaus wird noch nach einem Pächter gesucht.

Bürgermeister Michael Reinz (parteilos) ließ nicht unerwähnt, dass aus den Einnahmen wieder Geld in die Stadtkasse zurückfließt.

Mit dem Bau wird am 10. April begonnen. Im März nächsten Jahres sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Bürgermeister Reinz ließ wissen, dass sich ab sofort Interessenten für Wohnungen im Bauamt  der Stadtverwaltung melden können.

Fachwerkhäuser mit Ferienzimmern

Ralf Stützer vom St. Johannesstift, das künftig als Betreiber der Fahrradpension tätig ist, stellte das Konzept vor. Zum einen geht es darum, Menschen mit Behinderung in den Berufsalltag zu integrieren. Aber es muss auch ein solides Wirtschaftskonzept verfolgt werden. So gibt es Zielgruppen wie Wanderer, Radfahrer oder Kanutouristen auf der Werra, die eine Unterkunft suchen. 

Dass man in Treffurt aktiv ist, hat verschiedene Gründe, erläuterte Ralf Stützer.   Die Stadt entwickelt sich barrierefrei, und viele Angebote der Infrastruktur wie Supermärkte, Ärzte und Haltestellen sind fußläufig zu erreichen.  22 Betten sind zunächst in der Pension geplant, doch Bürgermeister Reinz kann schon neue Visionen mitteilen. Einige leerstehende Fachwerkhäuser der Stadt sind durchaus so herzurichten, dass sie weitere Unterkünfte für Touristen bieten. Man rechnet dann insgesamt mit bis zu 50 Plätzen alleine im Zentrum, womit durchaus eine Busgesellschaft ihr Unterkommen findet.

Claus Rodig vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, zugleich dort zuständig für die Förderpolitik, bezeichnete das Treffurter Vorhaben als „hervorragendes Projekt“,  das der Zersiedelung des Landes vorbeugt. Thüringen wird künftig auf innerörtliche Bebauung setzen. Dies sei dem demografischen Wandel und damit dem Schrumpfungsprozesse geschuldet. Die neuerliche  Förderung für Treffurt sei in Thüringen schon beachtlich. Das unterstrich Bürgermeister Reinz mit Blick auf die Förderquote von rund 50 Prozent. Und er freut sich auf jene Bürger, die wieder in die Stadt zurückkehren. Musikalisch umrahmt wurde der Spatenstich von Mädchen und  Jungen des Kindergartens.

Kosten: Vorplanung 361 000 Euro (299 246 Euro Förderung);  Gesamtkosten 3,4 Millionen Euro (1,9 Millionen Euro Förderung).

 

Von Heiko Kleinschmidt.