Wieder zum Platz der Ruhe zurückgekehr Großburschla (rüd)

Es war wohl ein denkwürdiger Tag für viele Großburschlaer, der letzte Samstag, zu dem dann auch viel Burschelaner herausgekommen waren . Und zwar zum Platz, an dem bis vor einigen Jahren noch die Schule des Ortes stand. Vom Gebäude zeugen nur noch einige Mauer- oder Steinreste, die den ehemaligen Standort kennzeichnen oder als Sitzmöglichkeiten dienen. Dass für viele Gäste hier am Platz heute ein wenig Wehmut aufkam, war da nur zu verständlich.  Auch Ortsteilbürgermeister Frank Schneider stand als ehemaliger Schüler mit einem lachenden und einem weinenden Auge am Rednerpult und ließ hier noch einmal die Geschichte des für die Großburschlaer bedeutsamen Platzes Revue passieren. Ein Platz der Ruhe war es noch 1837 gewesen, als Kirche und Friedhof hier standen. Von oberster Stelle aus Mühlhausen entschieden, wurde jedoch 1840 der Abriss der baufällig gewordenen Kirche verfügt.   Schließlich wurde von 1842 – 1844 eine Schule am Platz errichtet, wo 127 Mädchen und 137 Knaben von zwei Lehrern unterrichtet wurden. 1900 – 1902 erfolgte ein erster Anbau, dem zum Zweck der zehnklassigen Oberschule 1964 ein weiterer folgte. Jetzt waren es sogar bis zu 289 Schüler , die hier beschult wurden. Nach 1989 wurde bekanntlich alles anders und 1998 war schließlich das letzte Schuljahr. Doch dann nahm die Gebäudeodyssee erst ihren Anfang. Das leerstehende Gebäude wurde letztlich vom Landratsamt als Eigentümer verkauft und vom Käufer dann an einen Privatmann versteigert. Der hielt sich jedoch an keinerlei denkmalschutzrechtliche Belange und veränderte an der Bausubstanz so viel, dass das Gebäude nicht mehr zu retten war. Der Eigentümer war inzwischen verstorben und das Land Nordrhein Westfalen Eigentümer geworden. Von dem maroden Gebäude ging mittlerweile eine erhebliche öffentliche Gefährdung aus, sodass Verhandlungen nötig wurden, die jetzt doch noch zu einem guten Ende geführt haben. Doch nicht nur dicke Steine mussten dafür aus dem Weg geräumt werden, sondern auch dicke Bretter gebohrt werden, um mit Hilfe von Fördermitteln ein ansehnliches Ergebnis zu erzielen. Und das kann sich sehen lassen, wie auch die große Resonanz der kleinen Feierstunde am Samstag vor Ort deutlich machte. Die Männerchöre hatten sich zusammengestellt und sangen 'So ein Tag so wunderschön wie heute' , und auch der Landrat freute sich , mal wieder im singenden und klingenden Großburschla zu sein. Mit der Veränderung hier am Platz verbanden sich für Reinhard Krebs durchaus schmerzhafte Erinnerungen, aber er hatte hier auch eine Koalition der Vernunft erlebt und am Ende wurde das beste erreicht, was wir hätten erreichen können, war sein erleichterndes Fazit. 

Der Frauenchor hatte darauf gleich zwei passende Lieder im Gepäck, die auch früher hier gern gesungen wurde, wusste Chorleiterin Gisela Mandel. Und die zwei Lieder 'Es wollen zwei auf Reisen geh'n' und 'Fröhlich klingen unsere Lieder' passten da perfekt zum frischen Grün auf der Fläche und den vielen Gästen, die gekommen waren. Bürgermeister Michael Reinz dankte den Bürgern und dem Landrat, dass sie sich die Zeit heute genommen hatten. Zeit war es auch, die dieses Grundstück gebraucht hatte, um wieder ein Platz der Ruhe zu werden, wie es anfangs Frank Schneider formuliert hatte. Fast 300.000 Euro waren für die Veränderung hier in die Hand genommen worden, ein Drittel von der Stadt und der Rest aus anderen Förder- und Denkmaltöpfen finanziert. Der hübsch gestaltete kleine Park erhält mit der Schnitzfigur des Großburschlaer Künstlers Oskar Csincsura nun noch eine tolle Aufwertung, die die Geschichte des Platzes auch bildlich besonders hervorhebt. 

Drei Wünsche äußerte da der Bürgermeister noch am Schluss, die ganz sicher auch denen der Großburschlaer selbst entsprechen dürften. Er wünscht sich zum einen, dass der Platz von seine Bürgern auch angenommen wird,  dass er pfleglich behandelt wird und mit Blick auf die 1200 -Jahr-Feier , dass dann ebenso freudig wie heute hier gefeiert wird. 

 

 

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