heldrastein 2Feierliche und mahnende Worte auf dem Heldrastein (rüd) Wer die Feierlichkeiten anlässlich der 25 Jahre 'Deutsche Einheit' in besonderer Atmosphäre erleben wollte, der war am Sonntag auf dem Heldrastein, dem 'König des Werratals' genau richtig. Schon zum morgendlichen ökumenischen Gottesdienst waren hunderte Gläubige auf den geschichtsträchtigen Berg gekommen. Ausgehend vom Psalm 103 hatten Pfarrer Rüdiger Pütz (Rambach,Weißenborn, Rittmannshausen, Lüderbach), Pfarrer Torsten Schneider (Treffurt, Schnellmannshausen), Pfarrer Björn Kunstmann (Altenburschla, Heldra,Völkershausen) und Pfarrerin Sylvia Frank einen wundervollen Gottesdienst zelebriert, den der Treffurter Posaunenchor ebenso schön musikalisch begleitete.

Der Choral 'Nun danket alle Gott' drückte als Eingangslied , wie sicher an vielen Orten an diesem Tag, einen ganz besonderen Dank aus. Dass dabei nach der Predigt auch die Taufe des kleinen Oscar durch Sylvia Frank noch als ganz besonderes Ereignis in der Erinnerung bleiben wird, verstand sich da von selbst. Viele von den mit den Bussen heraufgekommenen Gäste blieben über den Mittag hinweg und immer mehr Menschen strömten auf den Berg zu Fuß oder mit weiteren Bustransfers. Bestimmt 1.000 Menschen übersähten den Platz neben dem Turm der Einheit , wo nun auch die regionalen Politiker in ihren kurzen Ansprachen zurückblickten , aber auch hoffnungsvoll nach vorn. Zunächst erinnerte Treffurts Bürgermeister Michael Reinz nach der Begrüßung an die teils völkerrechtswidrigen Bedingungen in der DDR und insbesondere den Sperrgebieten, um dann aber auch die tolle Entwicklung, die die Gemeinden in den letzten 25 Jahren im Werratal genommen haben, zu loben. Dann trat der Vorsitzende der Interessengemeinshaft Heldrastein, Hubert Steube, emotional berührt ans Mikrofon , erinnerte an die vielen schönen gemeinsamen Momente hier oben, sprach aber auch die strukturellen Probleme an, die inzwischen alle ehrenamtliche geführten Vereine haben, erst recht durch die unterlassene Hilfe und Mitwirkung der Politik. Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer überbrachte zuerst Grüße seines Vaters Arno, der aufgrund einer Knie-OP nicht kommen konnte, der aber vor 25 Jahren eine unvergessene Institution der Wiedervereinigung vor Ort war.

Klaus Fissmann sprach als Bürgermeister der Gemeinde Ringgau die positive gemeinsame Entwicklung mit den Thüringer Nachbargemeinden an, während Regierungspräsident Walter Lübke politisch ein wenig weiter ausholte. „Bei der Wiedervereinigung waren zwei Systeme vorhanden und nachdem eines gescheitert war, hatten wir keine Zeit etwas anderes auszuprobieren“, versuchte der erfahrene Politiker auch einige Fehler von damals zu relativieren. Aktuell warb Lübke auch um die Integration von Flüchtlingen, was aber nur mit gemeinsamen Anfassen geht und nahm dabei auch die Bundespolitik in die Pflicht. Das griff dann auch Landrat Reinhard Krebs auf, der zudem an Bundespräsident Gaucks Worte über die Herzensweite der Deutschen aber auch begrenzte und erschöpfte Möglichkeiten erinnerte. Der Landrat war aber auch überwältigt von der Anteilnahme der vielen Menschen hier an dieser Feier. „Was die Menschen in dieser kurzen Zeit alles geleistet haben, muss an diesem Tag auch besonders gewürdigt werden“, lobte Reinhard Krebs und bestätigte da Hubert Steubes Meinung zum Ehrenamt. Auch Stefan Reuß, der Landrat des Werra-Meißner-Kreises schloss sich den Meinungen seiner Vorgänger an. „In der Flüchtlingsproblematik vermisse er eine Botschaft der Bundesregierung, wie sie seinerzeit Helmut Kohl zum Vollzug der Einheit und Integration mit auf den Weg gegeben hatte“, sagte der SPD-Politiker zum aktuellen Thema. Der Dank von Stefan Reuß ging indes an die Adresse der IG Heldrastein, die wie heute wieder die Menschen hier so oft zusammenführt. Er hätte sich auch gewünscht, dass eine große Einheitsfeier nicht in Frankfurt, sondern dort wo auch die Einheit vollzogen wurde, stattgefunden hätte. In das Lob an die Interessengemeinschaft stimmte auch Landrat a.D. Martin Kaspari ein, der sich noch gut an die Rettung des Heldrasteins gegen die Pläne des Thüringer Landesverwaltungsamtes erinnerte. Genauso an die Tränen auf der Wartburg, als am Ende nach einem Treffen die Nationalhymne gesungen wurde, deren Text wir nicht kannten, so Kaspari.

Auch Landtagsabgeordnete Anja Müller (Linke) sprach die Aufarbeitung von Geschichte an und richtete den Dank an all diejenigen, die seinerzeit aus den Kirchen mit Kerzen heraustraten und 'Keine Gewalt' einforderten. Der hessische Landtagsabgeordnete Dieter Franz (SPD) hatte die Absurdität der Grenze noch zu Dienstzeiten kennengelernt und hob das Engagement der DDR-Bürger hervor, die eigentlich die Einheit erst umgesetzt hätten. Das hatte zuvor auch schon Stefan Reuß betont und nun sprach auch noch Ulrich Lange, der Wanderwart des Sauerländischen Gebirgsvereins von seinen Erlebnissen auf dem 'Wanderweg der deutschen Einheit', der ja über den Heldrastein führt. Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhardt trat am Ende der gut einstündigen Feierstunde mit seinen drei Amtskollegen noch einmal ans Rednerpult und dankte dabei den Gästen, die allesamt ruhig und diszipliniert zugehört hatten, denen es offenbar auch ein Bedürfnis war, hier und heute dabei gewesen zu sein. Die gemeinsam gesungene Nationalhymne aus den zahllosen Kehlen war dazu ein überwältigender Schlusspunkt unter diesen feierlichen Sonntag auf dem Heldrastein. Viele Gäste blieben danach noch an den Tischen sitzen und hatten sich etwas zu erzählen. Versorgt wurden sie ja ohnehin wieder bestens von den Mitgliedern der IG Heldrastein, die Suppe mit Würstchen aus der Gulaschkanone, Kaffee und Kuchen und jede Menge anderer diverser Getränke geordert hatten. Bis zur Rückfahrt der Busse konnte man es da gut aushalten, zumal das traumhafte Wetter geradezu zum Verweilen einlud.

 

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