F158E3B1 4C05 4BCA BE1A E42E50279524Mit dem Prinzen über den Hessischen Hof geplaudert

Wie Treffurts Bürgermeister Michael Reinz zu einer Art Audienz beim britischen Thronfolger kam

Von Peter Rossbach/ TLZ

Treffurt/London. „Das hat schon was Historisches für die Stadt Treffurt. Und es war selbstverständlich für mich eine große Ehre, Prinz Charles begegnen zu dürfen.“ Treffurts Bürgermeister Michael Reinz (parteilos) ist immer noch beeindruckt von dem, was er Mitte der Woche erleben durfte. Der britische Thronfolger lud die Delegation aus Treffurt nach London ein und nahm sich eine dreiviertel Stunde Zeit, auch um über das Projekt „Hessischer Hof“ zu sprechen.

„Wir sind noch ganz am Anfang, aber es war ein sehr erfolgversprechendes Gespräch“, resümiert Michael Reinz.

Die Einladung war kein Aprilscherz

Doch wie kam es zu diesem Treffen? Vor einigen Jahren verliebte sich ein britischer Tourist in die kleine Werrastadt und ihre Fachwerkhäuser. Mittlerweile hat er ein Haus in Treffurt gekauft und saniert. Über ihn kam der Kontakt zur britischen Denkmalorganisation „Safe – European Heritage“ zustande, die sich in Europa um die Rettung wichtiger denkmalgeschützter Gebäude verdient macht.

Da Prinz Charles ohnehin auch ein Faible für dieses Thema hat, gibt es eben auch Kontakte der Organisation zum britischen Thronfolger. Und als dieser vom derzeit auch konzeptionell noch in den Kinderschuhen steckende Projekt für den „Hessischen Hof“ in Treffurt erfuhr, zeigte er sich so interessiert, dass er Michael Reinz einlud.

„Als diese Einladung Ende März hier eintraf, dachte ich zuerst, es wäre ein Aprilscherz“, so der überraschte Rathauschef. Er informierte auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), der „sofort bereit war, uns zu unterstützen“.

Die Idee ist, aus dem noch vorhandenen, ziemlich gebeutelten Gebäude des „Hessischen Hofes“, ursprünglich um 16oo erbaut, ein englisch-thüringisch-hessisches Bildungsprojekt für Handwerker und/oder für den deutsch-britischen Schüleraustausch zu machen. Dort könnten dann Handwerker beider Staaten alte Handwerksmethoden kennenlernen und studieren, oder von dort als Basis in Thüringen denkmalgeschützte Gebäude eben mit den alten Mitteln und Methoden sanieren.

Soweit zur Grundidee, die beim Prinzen auf fruchtbaren Boden fiel. „Charles hat sich 45 Minuten für uns Zeit genommen und war doch erstaunt, wie viel wir von seinen Projekten schon wussten und auch von seinen Vorfahren. Er ist ein sehr freundlicher, offener und sympathischer Mann“, so Reinz.

Charles empfahl der Gruppe den baldigen Besuch von Dumfries House in Schottland, welches über ein ähnliches Projekt wieder auf Vordermann gebracht wurde und heute zu den Denkmalen höchster Kategorie gehört.

„Wenn es gelänge für dieses Projekt die Unterstützung aus England zu bekommen und sei es dadurch, dass Prinz Charles die Schirmherrschaft übernähme, wäre es schon genial“, weiß Reinz. Aber erst einmal sind da noch viele Hausaufgaben zu machen. Reinz war mit einer größeren Delegation aus Treffurt, nämlich auch mit den Mitgliedern des Ältestenrates der Stadt, unterwegs. Mit zu Charles durften neben Ramelow und Reinz noch Leo Schmidt von der Universität Cottbus als profunder Kenner der Materie und Thomas Bender, ein in England lebender deutscher Vertreter der „Safe“-Organisation.

In den eineinhalb Tagen in London absolvierten die thüringischen Besucher „ein Power-Programm“, das neben diesem Termin beim Prinzen, Gesprächen mit Safe-Vertretern und dem Besuch mehrerer denkmalgeschützter Immobilien in London, die gerade saniert werden, auch touristische Punkte hatte. Big Ben, Hyde Park, London Eye standen auf dem Plan. Die Frau eines Lords führte die Gruppe durch das Parlamentsgebäude von Westminster, wo gerade das britische Oberhaus (also die Lords) tagte. Und die Gesandte der Deutschen Botschaft, Tania Freiin von Uslar-Gleichen, lud zur Besichtigung der Botschaft ein.

Zurück in Treffurt gilt es nun erst einmal alle vorhandenen Gutachten und Unterlagen zum „Hessischen Hof“ zusammenzutragen, das Konzept weiter zu entwickeln und „zu sehen, was geht und was geht nicht“, so Reinz. Ministerpräsident Ramelow hat Charles schon einmal für kommendes Jahr nach Thüringen eingeladen, dann gilt den 200. Geburtstag von Albert von Sachsen-Coburg und Gotha zu feiern. Und er ist immerhin der Ur-Ur-Ur-Großvater von Charles. Und dann klappt es, so hofft Michael Reinz insgeheim, vielleicht auch mit einer Stippvisite des Thronfolgers in Treffurt. Und das wäre dann wieder was Historisches.

 

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