HolunderbachDass man auch vom kleinen Holunderbach aus in See stechen kann, bewiesen die Mädchen und Jungen vom evangelischen Kindergarten „Haus unterm Regenbogen“. Sie bastelten sich Flöße, hissten eine kleine Fahne und setzten die Wassergefährte am Mittwoch in den Holunderbach. Über diesen gibt es als Verbindung zur Straße Kohlstätte nun eine neue Brücke. Und die Schiffe der Kinder krönten die offizielle Übergabe des neu errichteten Bauwerkes.

Eine Brücke über den Bach gibt es seit den 1950er-Jahren etwa. Bis dato, so erinnern sich ältere Großburschlaer, befand sich  dort so etwas wie eine Furt. Dann kam die erste Brücke an diese Stelle. Und wie jetzt bei deren Abriss festgestellt wurde, handelte es sich beim Altbau um eine Hinterlassenschaft der amerikanischen Truppen aus dem Jahr 1945.

Als die Amerikaner vorrückten, wurden auch Pontonbrücken als Werraüberquerungen benötigt. Ein solches Bauteil blieb wohl in der Region liegen und wurde später zu einer  kleinen Brücke verarbeitet. „Der amerikanische Stahl hat  immerhin 70 Jahre gut durchgehalten“, lobte Stephan Goldmann, der als Diedorfer Unternehmer mit der Errichtung der neuen Holunderbach-Brücke beauftragt war. Bürgermeister Michael Reinz (pl) ließ die Entstehung des Bauwerkes kurz Revue passieren. Die alte Brücke war derart in die Jahre gekommen, dass sie nicht mehr sicher weiterbetrieben werden konnte. Der Neubau wurde beschlossen und finanziell abgesichert. Sicherer Baustein schien die Städtebauförderung. Doch das zerschlug sich. Michael Reinz dazu: „Es änderten sich bei der Förderung die Kriterien. Und plötzlich schien der Brückenbau in weiter Ferne.“ Bereits 2012 war das Vorhaben angegangen worden. Dann vollzog sich glücklicherweise erneut ein Wandel bei den Richtlinien, und es gab doch noch Geld von der Städtebauförderung. 

In wenigen Monaten bis zum Jahresende 2014 war die Holzbrücke errichtet. Zur Befestigung der beiden Ufer wurden  Steine als Prallschutz aufgeschüttet. Und es gab  noch einen Beitrag der Bauleute zum Naturschutz. Unter der Brücke wurde eine Nesthöhle angebracht, die von der Gebirgsstelze für die Brut genutzt werden kann. Solch ein Singvogel wurde bereits ausgemacht.

Dass die Großburschlaer Holunderbach-Brücke eine Besonderheit ist, davon können sich die Besucher jederzeit überzeugen: Am Brückengeländer angebracht ist eine Nepomuk-Figur. Als Schutzpatron kümmert sich der Heilige nicht nur um das Beichtgeheimnis, er hilft auch  bei Gefahren durch Wasser und beschützt Brückenbauwerke. Sein vollständiger Name:  Johannes von Nepomuk.  Freizeitholzgestalter Oskar Csincsura schnitzte den Heiligen aus Douglasien-Holz, das wiederum aus dem Ort stammt. Als an der ehemaligen BHG-Verkaufsstelle Bäume gefällt wurden, blieb Holz für die Schnitzarbeit übrig. Oskar Csincsura wohnt nur unweit der Holunderbach-Brücke entfernt und beobachtete die Arbeiten. Unternehmer Stephan Goldmann fand die Idee gut und sorgte für eine sichere Anbringung des Schutzheiligen. Die Brücke selbst wurde aus Lärchenholz gefertigt. Das ist sehr solide und benötigt in den nächsten Jahren keine weitere Pflege, sicherte Stephan Goldmann zu. Die kleinen Boote der Kinder jedenfalls sind allesamt im Wasser unterwegs. Auf den Fähnchen ist die Anschrift vom Kindergarten vermerkt und ebenso der Name des Bastelkindes. „Mit etwas Glück werden die Schiffchen dann in der Nordsee von der neuen Brücke über den Holunderbach berichten“, stellt Bürgermeister Michael Reinz hoffnungsvoll in Aussicht.  Die Chance dafür gibt es durchaus.

  • Die Kosten: 79 000 Euro gesamt, davon 52 600 Euro über die Städtebauförderung.
  • Die Eigenmittel der Stadt betragen 26 400 Euro.
  • Radfahrer und Fußgänger nutzen die Brücke.
  • Bauzeit: September bis November 2014.

(Thüringer Allgemeine, H. Kleinschmidt)

 

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