LandesgartenschauDie Städte Treffurt und Creuzburg sowie die Gemeinde Mihla wollen weiter 

an einem Strang ziehen. Nachdem die Parlamente dieser Kommunen erst vor wenigen Wochen für einen gemeinsamen Förderantrag für die Nachhaltige Stadt- und Ortsentwicklung

im Rahmen des Thüringer EFRE-Programms 2014-2020 stimmten, wollen die drei Orte auch mit einem gemeinsamen Gartenbauprojekt weiter zusammenwachsen. Unter dem Arbeitstitel

Werrabogen will das kommunale Dreigestirn die Thüringer Landesgartenschau im Jahr 2024 ausrichten.

Nachdem der Gemeinderat Mihla kürzlich einstimmig für die Willensbekundung votierte, stimmten Creuzburgs Stadträte am Donnerstagabend bei drei Enthaltungen dafür. Treffurts Stadtrat hat die Willensbekundung zur Vorbereitung und Antragstellung erst am Montag auf der Tagesordnung. Die Treffurter Stadträte stehen, so ihr Bürgermeister Michael Reinz, der wie sein Mihlaer Amtskollege Rainer Lämmerhirt zur Creuzburger Stadtratssitzung Rederecht erhielt, dem Projekt äußerst positiv gegenüber.

Es wäre ein Qualitätssprung für die Region , warb Creuburgs Stadtratsvorsitzender Karl-Heinz Michel bei der Sitzung im Ortsteil Scherbda für das Projekt. Die Planungsphase würde von 2016 bis 2018 und die Bauphase im Anschluss bis 2023 dauern. In der momentan in Schmalkalden stattfindenden Landesgartenschau seien insgesamt 8,8 Millionen Euro verbaut worden, wobei 6,6 Millionen als Fördermittel flossen, rechnet Michel vor. Insgesamt habe Schmalkalden eine Eigenbelastung von 4,9 Millionen Euro, wobei rund 4 Millionen Euro von 350 000 Besuchern an Eintrittsgeldern wieder hereinkommen sollen. Der 100 000. Gast sei jetzt in Schmalkalden gezählt worden.

Es ist ein enormer Kraftakt und wir werden viel Arbeit damit haben, aber eine Landesgartenschau bringt für unsere Region eine enorme Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität , betont Creuzburgs Bürgermeister Ronny Schwanz. Zudem ermögliche das Projekt den Ausbau touristischer Potenziale. Nach der Willensbekundung soll als erster Schritt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, in der auch der finanzielle Rahmen abgesteckt wird. Derzeit ist ein Eigenanteil von sechs Millionen Euro im Gespräch, der jedoch durch drei geteilt werde.

Warum nicht mal etwas Großes versuchen, warb Reinz. Das würde die Region über Gemarkungsgrenzen voranbringen. Wir liegen nur 20 Kilometer abseits der Autobahn, aber keiner kennt uns, betont Treffurts Rathauschef. Er sieht in dem Projekt Werrabogen 

eine Potenzierung des Bekanntheitsgrades. Mit einer Förderquote von 85 Prozent kann man kommunales Geld nicht effektiver anlegen, sagt Reinz. Er will verstärkt über den Tellerrand schauen. Solange Creuzburgs Gewerbegebiet nicht voll belegt ist, wird Treffurt nicht drei Millionen in den Bau eines neuen Gewerbegebietes versenken, da ist das Geld in einer Landesgartenschau besser angelegt, hob Reinz hervor. Eine andere, neue Qualität der Zusammenarbeit sieht Mihlas Bürgermeister Rainer Lämmerhirt in dem Projekt.

Wir werden keinesfalls Schaden anrichten, die Fördermittel werden immer mehr wegbrechen , richtet sich Lämmerhirt an Creuzburgs Stadträte. Ines Klinke von der ProjektStadt Weimar, die für alle drei Kommunen auch die Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepte in der Städtebauförderung (ISEK) entwickelt, will die drei Partner auch beim Gartenschau-Projekt begleiteten. Obwohl bereits ein Antrag für 2024 beim Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft vorliegt, sieht sie den interkommunalen Antrag klar im Vorteil. 

Die drei Kommunen haben ähnliche Probleme und Potenziale, wir müssen das Gebiet als Wohn- und Lebensort stabilisieren , sagt sie. Auch für das Land sei eine Landesgartenschau eine Herausforderung finanzieller Art.

Ich habe mich ganz intensiv mit der Landesgartenschau in Schmalkalden beschäftigt , stellt sich Architekt Michael Hess den Creuzburger Stadträten und Gästen der Sitzung vor, der eigentlich wegen eines anderen Tagesordnungspunktes anwesend war. Er habe in den vergangenen vier Jahren für die Landesgartenschau in Schmalkalden das Projekt Terrassengarten an der Wilhelmsburg begleitet. Der Planer spricht von einem 

Höhepunkt an der östlichen Flanke der Schmalkalder Innenstadt . Die Landesgartenschau habe zahlreiche Synergieeffekte gebracht und zu weiteren Projekten geführt. Er nannte beispielsweise das Tourismuszentrum für die ganze Südthüringer Region, das größer als die Touristeninformation in Erfurt ist. Es ist eine einmalige Chance, viele andere Fördermittelgeber werden mit aufspringen , sagt Michael Hess. Bedenken, dass die drei Orte für die Besucher viel zu weit auseinander lägen, wischt er beiseite. Zur Bundesgartenschau in der Havelregion müssen weitaus größere Entfernungen überwunden werden, sagt der Planer.

Für das Projekt Werrabogen wollen sich die Mitstreiter der drei Kommunen Anregungen in Schmalkalden holen. Dazu wird am Sonntag, 5. Juli, ein Bus zur Landesgartenschau rollen.

Norman Meißner

     Quelle: 

THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG - Ausgabe Eisenach, 20.06.2015, S. 15

 

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