Auf Einwohnerversammlung wurde die überarbeitete Satzung den Bürgern vorgestellt

Treffurt (rüd)

Dass nicht einmal 20 Treffurter Bürger am Dienstagabend zur Einwohnerversammlung kamen, darf gewiss nicht als Missachtung verstanden werden und hatte wohl auch seine Gründe. Zum einen mag das missliche Wetter den einen oder anderen abgehalten haben vor die Tür zu gehen, zum anderen sind die Treffurter allgemein gut informiert über die informellen Stadtratssitzungen und andere Informationsmöglichkeiten. Vielleicht spiegelt die Teilnahme sogar auch ein Stück Zufriedenheit der Bürger wieder, wenn es um die Sanierung der Altstadt geht. Und die kann sich tatsächlich auch sehen lassen, flossen doch seit 1991 allein 14 Millionen Euro Fördermittel in das Sanierungsgebiet. Wohl auch durch die besondere Einstufung der Fachwerkstadt , wie Martin Günther vom Sanierungsträger  'Wohnstadt Thüringen' betonte, der die Gäste im Bürgersaal zunächst mit dem Video der Drohnenbefliegung 'Das Gesicht Treffurts' zu Hause 'abholte'. Sehr anschaulich zeigte er auf der Leinwand auch gelungene Beispiele sanierter Gebäude, aber auch Beispiele aus anderen Städten, wie es eben nicht sein sollte. Der Fachmann nannte die Gründe, weshalb die Fortschreibung der Gestaltungssatzung aus dem Jahr 1992 notwendig wurde, sprach dabei über das Erscheinungsbild und die prägenden Gesteinsarten wie auch über die Erhaltung und Gefahren des Verlustes der Eigenart im Stadtgebilde. Man wolle sich auch die Möglichkeit erhalten, neue Gestaltungs- und Materialmerkmale zu nutzen. Der Geltungsbereich der Satzung ändert sich indes nur geringfügig, weil der Denkmalbereich den Rahmen praktisch vorgibt. Der hohe Anteil an Einzeldenkmalen (23 % aller Gebäude) begründet im übrigen auch die besondere Fördereinstufung der Fachwerkstadt im Werratal. Natürlich verbinden sich damit auch gewisse Zwänge für die Hauseigentümer, die Horst Reichhardt im Publikum ansprach. Er wünschte sich mehr Entscheidungsmöglichkeiten der Eigentümer, was die Substanz hinter den Fassaden angeht. Vor allem Maßnahmen zur Energieeinsparung in Richtung Wärmepumpe, Sonnenkollektoren und Photovoltaik kamen da zur Sprache, wobei eben auch sowohl baugesetzliche wie auch sanierungsrechtliche Vorgaben eine Rolle spielten, wie Martin Günther formulierte. Die Genehmigungsbehörden seien da aber inzwischen ein wenig flexibler und einsichtiger geworden, um den Interessen der Fördermittelempfänger entgegen zu kommen , nannte Bürgermeister Michael Reinz einen Fortschritt in dieser Problematik. Stadtrat Maik Gehl sprach von seinen eigenen Erfahrungen mit den Behörden und hatte als Bürger gleich auch eine Anregung zur Satzung betreffs des Werkstoffes für Fenster. Joachim Rokosch, der sich schon länger für die Altstadtsanierung engagiert, versuchte indes anhand der sanierten Fenster im Bürgerhaus die Fragenden zu überzeugen.  Architekt Martin Günther notierte fleißig die Anregungen , die nach entsprechender Abwägung durchaus noch Veränderungen in der Gestaltungssatzung bewirken können. Bürgermeister Reinz richtete nach dem mehr formellen Satzungsteil schon den Blick auf die praktisch anstehenden Projekte ab 2016. Je nach Möglichkeit und Mitwirkung des TAV sollen in den nächsten Jahren die Kirchstraße, die Rathausstraße, die Torstraße und die Wolfstraße saniert werden. Darüber hinaus wird die Sanierung in der Ziddelstraße mit einer Vierfachnutzung eine große Rolle spielen. Da soll das alte Fachwerkhaus saniert und als Pension genutzt werden, das Torhaus abgerissen und ein Neubau mit sechs behindertengerechten Wohnungen  entstehen, eine 'Integrative Wohnanlage (privat) und öffentliche Stellplätze entstehen . Große Vorhaben, die ihre Schatten voraus werfen, aber auch eine vernunftorientierte gute Perspektive für die Stadt darstellen.

Zahlen- und Planspiele des Bürgermeisters

Michael Reinz informierte die Bürger auf der Einwohnerversammlung auch über Einwohner- und Haushaltszahlen. Das Thema Gebietsreform hatte da natürlich in erster Linie die Einwohnerzahlen im Blick, die auch in Treffurt, wie vielerorts, leicht rückläufig sind. Zwischen 2011 und 2015 hat die Kernstadt und ihre Ortsteile 183 Bürger verloren, da weniger Geburten als Sterbefälle und weniger Zuzüge als Wegzüge zu Buche standen. Stand derzeit 5.201, zu wenig also, um die Mindestzahl 6.000, die die Landesregierung in ihrem Leitbild zur Gebietsreform für Gemeindegrößen fordert, zu erreichen. Ein mögliches Zusammengehen mit den Gemeinden Wendehausen, Ifta oder auch Creuzburg könnten da mögliche Optionen sein, wenn das dort auch so gesehen werde, ist Treffurts Bürgermeister vorsichtig optimistisch.  Auf jeden Fall optimistisch stimmten die Haushaltszahlen, die Michael Reinz seinen Bürgern offerierte. So hat sich vom 31.12.2010 bis zum 31.12.2014 der Schuldenstand von 884.551 € auf 448.397 € fast halbiert, was einer enorm niedrigen Pro-Kopf-Verschuldung von 85,17 € entspricht. Im gleichen Zeitraum wuchs die Rücklage von 2.686.790 € auf 5.524.251 € an, was sich wiederum durch die 2015 geplante Entnahme von 2.568.500 € ein wenig relativiert. Dennoch sehen die Zahlen mehr als gesund aus, erst recht vor dem Hintergrund der Ergebnisse vor Ort, die der Bürgermeister gleich mitlieferte. Durchaus sehen lassen konnten sich da die Übergabe der Freifläche 'Alte Schule' und die zwei kleinen Brücken über den Holunderbach in Großburschla, die Friedhoffertigstellung in Falken, die neue Grabfeldgestaltung auf dem Treffurter Friedhof und die Einweihung des neuen Radwegs zwischen Schnellmannshausen und Volteroda erst kürzlich.

Und auch was da für die Zukunftsentwicklung in allen Ortsteilen auf dem Plan steht, ist aller Ehren wert und eine große attraktive  Zielstellung.

Treffurt : - Revitalisierung Bergstr. 8 und 9 (offene attraktive Freifläche schaffen), - Neubau Feuerwehrgerätehaus am Standort der ehemaligen Dentalfabrik, - Fassade Bürgerhaus

Falken  :  - Umbau Bereich 'Güldenes Stift' (hierfür stehen 1 Mio. € Fördergeld zur Verfügung), - Gestaltung Anger (Spritzenhaus), - Hochwasserschutz, -  Neubau Brücke Flutgrabenstraße

Großburschla : - Neubau Zaunanlage, Grabfeldgestaltung und Parkfläche am Friedhof, - Sanierung Mauer im Bereich Stift, - Entwicklung Konzept Wasser/Abwasser/Straßenbau, -  Jubiläum 2017, 1.200 Jahrfeier

Schnellmannshausen : - Ausbau L 2109 Wiesenstraße mit Ziel Abstufung zur Gemeindestraße in Abstimmung mit TAV und Straßenbauamt, - Trauerfeierhalle, - Sanierung Gemeindesaal und Clubräume

Ganz allgemein stehen noch – der Ausbau des Breitbandinternet, - die Umstellung der Straßenbeleuchtung im Rahmen der Energieeinsparung, - die Landesgartenschau 'Werrabogen' und – die Gebietsreform auf der Agenda.

Über mangelnde Abwechslung oder fehlendes Engagement kann sich da wahrlich niemand beklagen.

 

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