Zukünftige Stadtplaner zu Besuch in Treffurt

„Die jungen Studenten haben schon erstaunt gefragt, warum wir so viel Geld, Herzblut und Energie in den Erhalt der alten Gebäude stecken“, berichtet Treffurts Bürgermeister Michael Reinz (Bürger für Bürger). Und dabei ist die Antwort ja ganz einfach: „Die Denkmale und Fachwerkhäuser sind das Gesicht unserer Stadt. Und wir haben den historischen Auftrag, dieses Gesicht zu bewahren.“ Die Stadt hatte Besuch von etwa 15 Studierenden des Studienganges Stadt- und Regionalplanung der Universität Kassel. Mit ihrem Professor Uwe Altrock, Fachgebietsleiter Stadterneuerung und Planungstheorie an der Uni, hatten sie sich auf eine Exkursion gemacht, um positive Praxisbeispiele in Sachen Stadterneuerung und Umsetzung von Stadtsanierung in Treffurt und Mühlhausen zu begutachten.

Zunächst trafen sich Vertreter der Stadt im Bürgerhaus mit den Studenten sowie Alice Dinger und Tobias Spiegler vom Sanierungsträger der Stadt, dem Büro Wohnstadt. Über das Weimarer Büro war auch der Kontakt zwischen Uni und Stadt hergestellt worden. Zunächst stellte Reinz den jungen Leuten die Stadt Treffurt und ihre Historie vor, was sich verändert mit der Eingemeindung von Ifta und wie das Leben einst im Grenzgebiet aussah. „Das kennen die Studenten ja nur aus Erzählungen und vieles war ihnen unbekannt“, so Reinz.

Er spannte aber schnell den Bogen zur Stadtsanierung und den verschiedenen Förderprogrammen, die in Treffurt dafür angezapft werden können. „Auf besonderes Interesse stieß bei den angehenden Stadtplanern natürlich unser integriertes Stadtentwicklungskonzept, vor allem die Fortschreibung mit der Erstellung des Brachland- und Leerstands-Katasters.“ Beim anschließenden Stadtrundgang führte der Weg zum Ziddel, wo die Stadt gerade ein Gebäude sanieren lässt mit drei altersgerechten und drei rollstuhlgerechten Wohnungen. Viele Fragen gab es im Rohbau der künftigen Fahrradpension, aber auch bei der Vorstellung von Sanierungsprojekten von privaten Hauseigentümern, die aber die Stadt mit einem kommunalen Programm ebenfalls fördert. Der Schwerpunkt blieb aber vor allem, so Reinz, bei der Sanierung und vor allem Nutzung der denkmalgeschützten und historischen Gebäude, wie etwa der Kindergarten im Trottschen Hof, das Bürgerhaus und das Rathaus.

Bei der Debatte, wie die Stadt möglichem Wegzug von Bürgern entgegenwirkt und den Zuzug befördert, ging es um den öffentlichen Personennahverkehr, die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen sowie die Kinderbetreuung. Reinz: „Dass wir es schaffen, in jedem Ortsteil eine Kinderbetreuung sicherzustellen, stieß auf viel positive Resonanz.“

Das galt auch für den Umstand, dass die Stadt Treffurt all diese Projekte schultert und dennoch bei einer sehr niedrigen Pro-Kopf-Verschuldung liegt, so Reinz. Für ihn ist auch die gute Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden und dem Treffurter Stadtrat ganz wichtig.

Bevor die Studierenden zur Weiterfahrt nach Mühlhausen aufbrachen, sicherten einige von ihnen zu, bald wieder zu kommen. Voraussichtlich am 9. Mai soll es nämlich das große Symposium zum „Hessischen Hof“ geben. Die Kontakte mit dem englischen Königshaus und der englischen Organisation „Save Europe’s Heritage“ erstaunten die Besucher aus Kassel. Dies galt auch für den damit verbundenen Plan, den Hessischen Hof möglicherweise zur Jugendbegegnungsstätte sowie zum internationalen Zentrum für Handwerker zu entwickeln, wo auch alte Handwerkskünste wiederentdeckt werden können.

Bis zum Symposium, so hofft Bürgermeister Michael Reinz, ist auch das in Auftrag gegebene Modell im Maßstab 1:20 des „Hessischen Hofes“ fertig, an dem man plastisch erleben kann, wie damals gebaut wurde. „Das nahmen auch die Studenten als sehr spannenden Prozess wahr.“

Text: Peter Rossbach/ Thüringer Allgemeine

Foto: Tobias Spiegler

 

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