Den Hessischen Hof im Maßstab 1:20 entdecken

Das wird schon stattlich, runde 70 mal 80 Zentimeter breit und lang – und das mit einer Höhe von etwa 1,10 Metern. Da dürften am Ende einige 100 Arbeitsstunden von Lutz Scherf und seinen Kollegen drinstecken. Ein Modell im Maßstab 1:20 des Hessischen Hofes in Treffurt entsteht derzeit in der Werkstatt von Lutz Scherf vom Ingenieurbüro Scherf, Bolze. Ludwig in Silbitz in der Nähe von Gera. Der Aufwand ist groß, denn der Anspruch von Lutz Scherf ist ebenfalls hoch. „Das Modell soll eben nicht nur den jetzigen Zustand aufnehmen, sondern auch die früheren Bauzustände dokumentieren; zeigen, wie das Haus ursprünglich gebaut wurde, welches Holz zum Einsatz kam, welche Raumstrukturen geplant, welches Fachwerk und welche Technik zum Einsatz kamen“, so der staatliche geprüfte Techniker für Denkmalpflege. Und auch daher entsteht das Modell ebenfalls in Holz. Scherf kennt sich mit dem Hessischen Hof in Treffurt aus, schließlich hat er gerade die bauhistorische und restauratorische Untersuchung ausgeführt. Diese war für die neuen Pläne der Stadt Treffurt für das Gebäude nötig. Dort soll – und dies mit Hilfe auch einer britischen und von Prinz Charles repräsentierten Denkmal-Stiftung – ein europäisches Handwerker-Zentrum entstehen, an dem die alten Handwerkstechniken bei solchen Bauwerken wiederentdeckt und erhalten werden. Für das Fachwerk des Hessischen Hofes wurde, so weiß Scherf nun ganz genau, überwiegend Erlenholz abgezimmert. Für die Dachkonstruktion hingegen wurde zum großen Teil Nadelholz wie Tanne verzimmert. Wie im Original werden alle Holzverbindungen gebaut. Da kann man dann auch genau darstellen, wo welche Kräfte wie wirken.
Für die Erstellung des Modells ist es natürlich gut, dass noch Grundrisszeichnungen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts vorliegen. „Es war ein Wohn- und Speicherbau“, so Scherf. Als Amtshof war dort nicht nur die Verwaltung untergebracht, sondern eben auch im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss Speicher, wo vermutlich unter anderem die Abgaben der Bürger gelagert wurden oder der Zehnte als Steuer in Naturalien.
Aber natürlich werden auch die Eingriffe in die Baustruktur, die es über die Jahrhunderte gegeben hat, am Modell erlebbar sein. Während die oberen Stockwerke weitgehend verschont blieben, gab es im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss große Eingriffe, allein schon dadurch, dass vermutlich im 19. Jahrhundert dort große Fensteröffnungen geschaffen wurden und dafür auch teilweise das Fachwerk versetzt werden musste. Aber zum Teil sind noch die originalen Zimmermannszeichen zu entdecken. Scherf: „Das Modell wird den aktuellen Forschungsstand zum Gebäude selbst naturgetreu wiedergeben.“ Und genau darauf hofft ja auch Treffurt Bürgermeister Michael Reinz (Bürger für Treffurt). Schließlich soll es zum großen Symposium, das zum Projekt Hessischer Hof für Mai in der Werrastadt geplant ist, ein wichtiger Hingucker und Motivator sein. Über ein von Scherf erstelltes Modell von Gebäuden in Paulinzella waren auch die Treffurter auf die Idee gekommen, sich sein solches herstellen zu lassen. Da kam das Preisgeld des Wettbewerbes des Bundesbauministeriums, bei dem Treffurt mit dem Projekt Hessischer Hof 25.000 Euro als Preisgeld einheimste, gerade recht. Aber auch auf Messen wie der Handwerksmesse in München oder auch als Werbung für das Projekt in London soll das Modell ausgestellt werden. Reinz: „Ich freu mich schon darauf, es komplett fertig zu sehen.“

Text: Peter Rossbach, Fotos: Michael Reinz

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok