Treffurt Treffurt ist verschwunden, zumindest als weißer Fleck auf der Karte der Ladestationen für die E-Mobilität. " Wir wollen ein Zeichen setzen" , kommentiert Andreas von Scharfenberg, Geschäftsführer des Elektrizitätswerks Wanfried, zur Übergabe von Treffurts erster Ladesäule. Er freut sich, dass nach der Energiewende nun auch die Mobilitätswende Fahrt aufnimmt.

" Die Ladesäule ist nur ein kleiner Mosaikstein in dieser Wende, aber wir sind mit dabei" , sagt der Geschäftsführer. Inzwischen hätten die Automobilhersteller 60 Elektro-Modelle in ihren Portfolios. Und auch die Flotte an E-Autos des Stromversorgers wächst beständig.

Neben der Ladesäule am neugestalteten Parkplatz in der Engen Gasse in Treffurt ließ das E-Werk eine weitere Ladesäule in der Bahnhofstraße der hessischen Nachbarstadt Wanfried errichten. Der Stromanbieter investiert unter dem Motto " Wasserkraft to go"  20.000 Euro in die beiden Ladesäulen.

Erst vor wenigen Monaten sei die Idee beim örtlichen Stromversorger gereift, dessen Elektroenergie nach eigenen Angaben zu 75 Prozent aus erneuerbaren Quellen stamme. Neben dem E-Werk an der Werra betreibt das Unternehmen auch zwei Biogas- und mehrere Photovoltaik-Anlagen. " Wir produzieren schon seit 1886 Ökostrom" , betont der Technische Leiter des E-Werks, Marco Waldmann, mit Stolz. Bereits kurz vor dem ersten Weltkrieg errichtete das E-Werk Wanfried ein Wasserkraftwerk an der Werra in Falken, das heute jedoch im Eigentum der Thüringer Energie-AG ist.

" Wir hatten ursprünglich für den neuen Parkplatz hinter dem Radhotel selbst eine Ladesäule vorgesehen, aber aus Kostengründen wieder verworfen" , freut sich Treffurts Bürgermeister Michael Reinz (parteilos), dass der örtliche Stromversorger die Idee aus der Parkplatzplanung aufgegriffen hat. Bislang schätzt der Bürgermeister die Zahl der Elektro-Autos in Treffurt auf vier bis sechs Fahrzeuge, aber die Tendenz steige. Die neue Ladesäule werden wohl kaum, so der Bürgermeister, die Treffurter nutzen, die sicher ihre Fahrzeuge zuhause laden werden. Vielmehr sei es ein zukunftsweisendes Angebot für Touristen, Stadtbesucher, Einpendler und Dienstreisende.

Die beiden neuen Ladesäulen mit jeweils zwei Ladesteckdosen, Typ 2, füllen die Batteriespeicher mit einer Leistung von bis zu 22 Kilowatt. " Mit 11 Kilowatt Ladeleistung ist das Fahrzeug in vier Stunden komplett vollgeladen" , tippt Marco Waldmann auf den neuesten Flitzer im Fuhrpark des Elektrizitätswerkes. Lassen Autos die doppelte Ladeleistung zu, reicht die halbe Ladezeit. " Es ist aber kein Supercharger, bei dem ein Tesla in 20 Minuten voll ist" , erklärt der Technische Leiter.

Bezahlt werden könne mit den deutschlandweit üblichen Ladekarten oder einer Handy-App. " Es ist keine Anmeldung oder Registrierung notwendig" , sagt der Technische Leiter. Jede Kilowattstunde werde exakt abgerechnet und die Rechnung komme umgehend aufs Smartphone. Navigationsgeräte in neuen E-Autos zeigen dem Fahrer an, ob die gewünschte Ladesäule gerade frei ist.

Die Ladesäule ist nicht der erste Schritt, den das Elektrizitätswerk Wanfried in Treffurt in Ladetechnik für Elektromobilität investiert. " Für die Fahrradboxen im Radhaus hinter dem Rathaus hat das E-Werk die Lademöglichkeit für E-Bikes finanziert" , führt der Bürgermeister an.

Der Technische Leiter Marco Waldmann und der Geschäftsführer Andreas von Scharfenberg vom Elektrizitätswerk Wanfried mit Treffurts Bürgermeister Michael Reinz (von links) bei der Übergabe der Ladestation auf dem neuen, öffentlichen Parkplatz Enge Gasse in Treffurt.   

Norman Meißner

 

Quelle

Thüringische Landeszeitung - Eisenach vom 04.12.2020 Seite 16